Mundraub

    Der „Mundraubwingert in Guldental" gehört sicherlich zu den touristischen Besonderheiten der Weinbaugemeinde. Die hier wachsenden, rund 170 verschiedenen Rebsorten, unterzog nun der Rebsortenkundler Andreas Jung einer genauen Prüfung. Vor rund 30 Jahren hatte der mittlerweile verstorbene Guldentaler Walter von der Weiden den Mundraubwingert angelegt und hier Sorten aus ganz Europa gepflanzt, die er teils auf seinen Reisen entdeckte und ins Guldenbachtal brachte. Noch heute steht das von ihm angebrachte Schild „Mundraub erlaubt“ sichtbar am Eingang des Weinbergs – eine Aufforderung, der Besucher wie Einheimische stets gerne nachkommen. Auch die unterschiedlichen Rebstöcke hatte von der Weiden mit Schildern gekennzeichnet, damit die „Mundräuber“ sich über die Herkunft der von ihnen gegessenen Trauben informieren können.

    Dass die angegebenen Weinsorten tatsächlich „sortenrein“ sind, oder ob hier noch Korrekturen vorgenommen werden müssen, untersuchte Experte Jung, der zahlreiche Fotos von den Sorten machte, die er nicht auf Anhieb zuordnen konnte. Mit Hilfe seines Wissens und der entsprechenden Literatur wird er jetzt alle Sorten bestimmen und darüber ein Register anlegen, das später alle fachinteressierten Weinliebhaber einsehen können. Künftig solle der Mundraubwingert, der in dieser Form „einzigartig im Anbaugebiet Nahe“ sei, noch stärker in das touristische Konzept der Ortsgemeinde einbezogen werden, erläuterte Hans Faus als Vertreter des örtlichen BUND. Dieser hatte in den vergangenen Jahren einige Streuobstwiesen in der Gemarkung gepflanzt und insbesondere mit historischen Obstsorten die Ökologie rund um die Gemeinde aufgewertet.

    Auch der Weinberg sei ein landschaftlich kultureller Schatz, den es hervorzuheben gelte, betonte Faus. Hierbei wirkten BUND, Ortsgemeinde, Bauern- und Winzerverband sowie der Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein zusammen, bekräftigte Ortsbürgermeisterin Elke Demele (SPD).

    Bereits jetzt sei der Mundraubwingert in den Rundwanderweg „Guldentaler Krönchen“ einbezogen, erläuterte Demele. In Kürze werde das rund ein viertel Hektar große Areal zudem Teil der Sehenswürdigkeiten sein, die laut Konzeption der Verbandsgemeinde entlang der Vital-Tour „Wald, Wein und Horizonte“ Touristen wie Einheimische begeistern sollen.

    Ebenso, wie weitere Streuobstwiesen und Obstbaumalleen entlang von Feldwegen anzulegen, sei angedacht, auch den Weinberg noch zu erweitern und insbesondere mit regionalen und historischen Sorten auszustatten, informierte Faus. Helmut Kaufmann, der als Eigentümer des Weinbergs diesen mit viel Liebe pflegt, zeigte sich gerne bereit, hierfür noch einige Rebzeilen anzulegen. Alle Beteiligten waren sich mit Ortsbürgermeisterin Demele einig, dass solche Maßnahmen „die touristische Anziehungskraft der Gemeinde weiter erhöhen“ werden.

    Quelle: Jens Fink